IG Arheilger Bürger

20 Jahre IGAB

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20 Jahre IGAB
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20 Jahre Interessengemeinschaft Arheilger Bürger

IGAB zieht Bilanz

Baumspende zum Jubiläum

 

 

Mitarbeiter des Grünflächenamtes beim Pflanzen der Bäume


Mitarbeiter des Grünflächenamtes bereiten die Pflanzung vor


Die Gründungsvorstände der IGAB Wilhelm Kins, Gerhard Schäfer und Dr. Hartwig Richter
 

Dr. Richter bei der Begrüßung mit dem IGAB-Ehrenvorsitzenden Karlheinz Wandrey (5. von rechts)

Amtsleiterin Doris Fath und die IGAB-Vorstände Gabi Lewin, Gerhard Schäfer und Wilhelm Kins.
 

Ende Februar wurden bei schönem fast frühlingshaftem Wetter in der Grünanlage am Helmut-Fuchs-Weg in Höhe der Dürerstraße von Mitarbeitern des städtischen Grünflächen- und Umweltamtes sowie von IGAB-Mitgliedern und Ehrengästen fünf Lindenbäume eingepflanzt. Die IGAB hat diese Bäume aus Anlass ihres zwanzigsten Geburtstages der Stadt gespendet und daher auch Presse und Öffentlichkeit zu dieser Pflanzaktion eingeladen.

Als erster Vorsitzender der IGAB begrüßte Dr. Hartwig Richter als Ehrengäste die Amtsleiterin des Grünflächenamtes Doris Fath sowie die Abteilungsleiterin Ingrid Pilz und Michael Schneiker mit der städtischen Baumpflegekolonne. Herzlich willkommen hieß er für die CDU Edith Heinz, Dr. Christian Rosinski und Alfred Aldenhoff und für die GRÜNEN Daniela Wagner; weiterhin den Bezirksverwalter Andreas Schmidt sowie den später hinzu gekommenen Vorsitzenden des Arheilger Gewerbevereins Bernd Wiegmann., ebenso die Presse und ganz besonders auch den IGAB-Ehrenvorsitzenden Karlheinz Wandrey. Dr. Richter hob hervor, dass die IGAB stolz auf die in den zwei Jahrzehnten erzielten Erfolge ist und sich auch weiterhin für eine Verbesserung der Lebens- und Umweltbedingungen im Darmstädter Norden einsetzen wird.
 

Die Parkanlage ein Erfolg der IGAB

Als IGAB-Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied von Anfang an stellte sodann Wilhelm Kins den Zusammenhang zwischen der Gründung der IGAB und der Entstehung der Grünanlagen im Arheilger Westen her. Anlass war die Planung der Stadt Darmstadt und der Firma Merck, die Virchowstraße als Zufahrt zur geplanten B3-Umgehung zu nutzen, um Merck eine großzügige Werkserweiterung nach Norden zu ermöglichen. Dies führte zu Bürgerprotesten im Arheilger Westen, denn der dafür vorbereitete Bebauungsplan A25, der die Verlagerung der alten B3 aus der Frankfurter Landstraße mitten in Arheilgen auf die Westseite der Bahnlinie ermöglichen sollte, hatte zwei besonders neuralgische Punkte: Zum einen eine im Zuge der Weiterstädter Straße geplante Bahnüberführung mit Anbindung an die B3-Umgehung, die zu einer Ost/West-Rennstrecke von Dieburg über Messel, Kranichstein quer durch Arheilgen in Richtung Autobahn geführt hätte und die erfolgreich verhindert wurde und zum anderen die Führung der Virchowstraße, extrem eng und nah am FCA-Sportgelände, dem Spielplatz und an dem neuen Blütenviertel entlang, was ebenfalls verhindert bzw. erheblich modifiziert wurde.

Dazu gelang am 05.02.1988, also fast genau vor 20 Jahren mit einem Grundstückskauf ein entscheidender Schritt. Eine Gruppe von IGAB-Mitgliedern erwarb, wohl wissend, dass der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan A25 kommen wird – erfolgte auch wenige Tage später am 11.02.1988 - als „Schikanierzwickel“ einen in Nord-Süd-Richtung extrem lang verlaufenden Spargelacker, der mit etwa der Hälfte in der beabsichtigten Merck-Erweiterungsfläche, dem späteren Bebauungsplan A23, lag, aber auch für die Virchowstraße benötigt wurde und auch noch in den Bereich des Bebauungsplanes A24 (Blütenviertel) hinein ragte. Damit war die Gruppe klagebefugt, weil als Eigentümer betroffen. Nachdem die Stadt Darmstadt dann erfolglos versuchte, ein Vorkaufsrecht auszuüben, hat die neu gegründete Grundstücksverwaltungsgesellschaft, deren sämtliche Gesellschafter dann auch als Kläger aufgetreten sind, am 19.04.1989 gegen den Bebauungsplan A25 Normenkontrollklage beim Verwaltungsgerichtshof in Kassel erhoben.

Dieses Klageverfahren zog sich hin. Nachdem jedoch IGAB-Mitglieder am 25.03.1992 den Rechtsstreit wegen der neuen Säureabfüllanlage auf dem Betriebsgelände der Firma Merck gewonnen hatten und immer mehr deutlich wurde, dass die IGAB-Klägergruppe auch das Normenkontrollverfahren gegen den A25 gewinnen würde, waren Merck und Stadt plötzlich zu Verhandlungen bereit. In der Folge hat man sich, moderiert durch den damaligen Bürgermeister Michael Siebert, über wesentliche Inhalte der neuen Straßenführung und auch über die aus Naturschutzgründen erforderlichen Ausgleichsflächen für den Bebauungsplan A23 geeinigt. Mitte 1996 waren die Verhandlungen abgeschlossen und ein entsprechender notarieller Vertrag wurde in Frankfurt beurkundet. Dieser beinhaltete die Rücknahme der Normenkontrollklage durch die IGAB-Kläger und im Gegenzug wurden die Inhalte fixiert, die man heute sieht: das Verschwenken der Bahnüberführung der Virchowstraße nach Süden, - die von der IGAB geforderte Unterführung konnten leider nicht durchgesetzt werden – und die Realisierung der Ausgleichsfläche des A23 zwischen Merck einerseits und Sportzentrum und Wohngebiet andererseits. Die Virchowstraße wurde damit an Merck herangerückt und eine sechs Hektar große Parkanlage konnte realisiert werden, so wie man diese sieht, wenn man vom Aldimarkt aus in Richtung Süden schaut. Auch wurde die gegen den Schikanierzwickel eingetauschte Fläche in den Lärmschutzwall hineingelegt, um auf diese Weise sicherzustellen, dass die Virchowstraße nicht näher an das Wohngebiet herangerückt werden kann. 2000 Quadratmeter des Lärmschutzwalles gehören Mitgliedern der ehemalige Klagegemeinschaft. Die Errichtung des Lärmschutzwalles wurde von Merck übernommen genauso wie die Kosten der Anpflanzung der Büsche, Sträucher und Bäume auf dieser sechs Hektar großen Fläche. Die offizielle Widmung der Ausgleichsfläche als Parkanlage war am 13.11.1998.

 

IGAB-Baumspende zur Förderung der Grünanlagen

Diesen Grün- und Erholungsraum zu erhalten und zu fördern ist Anliegen der IGAB mit der Baumspende. Die IGAB hat zudem die Patenschaft für die neuen Bäume übernommen und will darauf achten, dass die Bäume gut anwachsen - ggf. mit zusätzlicher Wassergabe – und sich gesund entwickeln. Die von der IGAB gespendeten Bäume sind jedoch eine Ersatzpflanzung für die fünf Bäume, die hier bereits standen und im letzten Jahr gefällt werden mussten, denn Bäume tun sich mit dem Standort schwer. Zum einen haben sie gegen die Unbilden der Witterung zu kämpfen und zum anderen müssen sie sich gegen die Unvernunft gewisser Menschen behaupten. Hier gab es Fälle von ganz üblem Vandalismus: Bäume waren abgesägt, Kronen mutwillig beschädigt worden. Menschen unabhängig gibt es zudem Probleme mit der Wasserversorgung und das Aufreißen der Rinde von unten bis oben jeweils auf der Westseite der Stämme, deren Ursachen bis heute unklar sind.

Auf ein weiteres Problem ist noch hinzuweisen und zwar auf die Vermüllung der Flächen. IGAB-Mitglieder und auch Mitglieder der CDU haben schon in großen Aktionen erhebliche Müllmengen gesammelt. Von ALDI geht weiterhin ein erhebliches Müllproblem aus. Man kauft dort zum Essen und zum Trinken etwas ein, verzehrt es in der Grünanlage und lässt den Dreck gerade liegen. An die Hundehalter gilt gleichermaßen der Appell: insbesondere die große Wiese direkt gegenüber von ALDI ist für Spielmöglichkeiten für Kinder gedacht wie Fußballspielen, Drachen fliegen lassen etc., und Hunde gehören nicht auf diese Fläche. Der Bevölkerung kommt mehr Verantwortung zu. Statt alles auf den EAD oder auf das Grünflächenamt abzuladen wäre es schön, wenn die Bürger ihre Grünflächen selbst sauber halten würden und den mitgebrachten Müll wieder mit nach Hause nehmen und dort entsorgten und nicht leere Zigarettenschachteln oder das benutzte Tempo einfach fallen lassen.

 

Die Seveso-II-Richtlinie: Missbrauch zulasten Arheilgens

Auf Erfolgen auszuruhen war und ist nicht Sache der IGAB, so anschließend Gerhard Schäfer, ebenfalls Gründungsmitglied der IGAB und Vorstandsmitglied von Anfang an. Und wenn es die IGAB als Bürgerinitiative nicht schon so lange gäbe, dann müsste sie heute erfunden und gegründet werden. Denn die Anspannungen in der Gemengelage von Arheilgen Süd und Merck haben zugenommen, seit Stadt, Merck und RP die sogenannte Seveso-II-Richtlinie entdeckt haben und zum Ausbau des Interessengebietes Merck über den Werkszaun hinaus bis weit in das Arheilger Wohngebiet hinein nutzen wollen.

Obwohl sich das schreckliche Unglück in der oberitalienischen Stadt Seveso, als Giftwolken aus einem Chemieunternehmen die ganze Umgebung verseuchten, bereits in den 70er Jahren ereignete und bereits in den 80er Jahren klar war, dass Betriebe und Anlagen, in denen gefährliche Stoffe verarbeitet oder gelagert werden, einen möglichst großen Abstand zu Wohngebieten, Krankenhäusern, Schulen und Kindergärten einzuhalten haben, wurden entsprechende Anlagen bei Merck aus- oder neu gebaut. Die IGAB hat die Brisanz dieser Vorhaben frühzeitig erkannt und mit Einwendungen in den Genehmigungsverfahren bis hin zu Klagen versucht, diesem Treiben Einhalt zu Gebieten. Das ging jedoch beim Hochregallager N 90, eine Ansammlung von höchstgiftigen Stoffen in sechs hoch aufragenden Regalgassen, schief, denn die Einwender wurden seitens der Stadt völlig im Stich gelassen. Verständnis und Unterstützung gab es von dieser Seite nur in der kurzen Zeit, als Michael Siebert Bürgermeister und Planungschef war. Da waren die Genehmigungen aber bereits gelaufen und diese Anlage wurde so nah an den Arheilgern Wohngebieten genehmigt und gebaut, dass nun nach vielen Jahren von Stadt und Merck gefordert wird, dass den an Merck angrenzenden Wohngebieten Nutzungseinschränkungen aufzuerlegen sind, wie dies nun bei dem beabsichtigten Bebauungsplan A39 deutlich wird.

Diese Entwicklung ist aus der Sicht der IGAB ein herber Rückschlag und das Vorgehen so einseitig zu Lasten der Merck-Nachbarschaft ist nicht zu vertreten. Die IGAB hat dies befürchtet und als Teil des B3-Kompromisses durchgesetzt, dass für alle Flächen des Merck-Betriebsgeländes auf Arheilger Gemarkung ausschließlich eine gewerblicher Nutzung gilt. Dies ist auch erfolgt, sowohl mit dem Bebauungspläne A23 für das Erweiterungsgebiet als auch mit dem Bebauungsplan A29, der südlich anschließt bis zur Gemarkungsgrenze zwischen Arheilgen und Darmstadt. Ebenfalls als Teil des B3-Kompromisses wurde vereinbart, dass die begonnen Gespräche fortgesetzt werden und unter Beteiligung der Merck-Nachbarschaft ein kontinuierlicher Meinungsaustausch über die Auswirkungen von Merck-Vorhaben statt findet. Die Merck-Rahmenplankonferenz, die es seit 1996 gibt und an der Stadt, Regierungspräsidium und Arheilger Nachbarn teilnehmen, ist diese von der IGAB durchgesetzte Einrichtung mit dem Ziel, Vorhaben im und um das Betriebsgelände von Merck frühzeitig zu erörtern und den Handlungsrahmen im Vorfeld von Entscheidungen abzustimmen. Bezüglich der Seveso-II-Problematik hat dieses Gremium aber völlig versagt, da sowohl Merck als auch die Stadt Aktivitäten entfalteten und Ergebnisse erzielten, die dem Gremium und damit auch der IGAB über Jahre vorenthalten wurden, bis letztendlich unverrückbare Fakten geschaffen waren.

Obwohl die Stadt 2003 und dann noch mal 2005 Gutachten zur Seveso-Problematik vergab, waren die Ergebnisse kein Thema in der Rahmenplankonferenz. Gleiches gilt auch für die zwischen Stadt, Merck und Regierungspräsidium getroffene Vereinbarung mit dem Ziel der Einschränkung von Nutzungen u.a. auch in weiten Bereichen von Arheilgen, die im Sommer 2006 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die IGAB war nicht bereit, dieses Vorgehen an der Rahmenplankonferenz vorbei zu akzeptieren und schaltete auf eigene Kosten einen externen Gutachter ein mit dem Ergebnis, dass das der Vereinbarung zu Grunde liegende Gutachten in vielen Bereichen einer kritischen Überprüfung nicht Stand hält. Die IGAB hat ihre mit dem Gutachten bestehenden Probleme dem Regierungspräsidium als zuständige Aufsichtsbehörde mitgeteilt und um Abhilfe gebeten. Dieses IGAB-Schreiben ist jedoch bis heute unbeantwortet geblieben. Welche geringe Bedeutung auch die Stadt der Rahmenplankonferenz beimisst wurde im Frühjahr 2007 offensichtlich, als die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung einen Tag vor der Rahmenplankonferenz den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan A39 beschließt und am Tag darauf in der Rahmenplankonferenz die Vertreter der Stadt deutlich machen, dass das Planungserfordernis für den A39 kein Thema mehr für die Runde ist.

Da sich die IGAB auch im Interesse der gut 600 Grundstückeigentümer im Bereich des geplanten Bebauungsplanes A39, die nun um die ungehinderte Nutzung ihres Eigentums bangen und eine Entwertung ihres Besitzes befürchten, durch Teilnahme an der Rahmenplankonferenz nicht weiter vereinnahmen lässt, hat sie beschlossen, an diesen Veranstaltungen nicht mehr teilzunehmen. So war es dem IGAB-Vorstand wichtig, am Vortag der Rahmenplankonferenz 2008 mit der Pflanzaktion für die gespendeten Lindenbäume damit deutlich zu machen, dass eine Gefährdung der Lebens- und Wohnbedingungen im Süden Arheilgens auch in Zukunft nicht hingenommen wird. Es ist wichtiger Bäume zu pflanzen und sich für den Erhalt und die Entwicklung dieser Grünanlage einsetzten statt an Konferenzen teilzunehmen, wo man letztlich unerwünscht ist, so abschließend Gerhard Schäfer für den IGAB-Vorstand.

 

Lob für die IGAB seitens der Stadt und der Politik

Voll des Lobes für die IGAB Baumspende war Doris Fath. Für sie ist dies gelebter Bürgersinn und hat Nachahmer verdient zumal in dieser Grünfläche eine weitere nicht unerhebliche Anzahl von Bäumen abgängig ist und in den nächsten Jahren Ersatzpflanzungen notwendig werden. Frau Fath wünscht abschließend den neu gepflanzten fünf Linden, dass sie sich zu stattlichen Bäumen entwickeln und nicht das Schicksal ihrer Vorgänger erleiden mögen.

Daniela Wagner ging in ihrem Grußwort auf die Historie der seinerzeit beklagten B3-Umgehung ein und stellte fest, dass die heutige Realisierung parteiübergreifend als allein richtige Lösung anerkannt ist. Die Art und Weise in der die IGAB agierte, ist beispielgebend geworden für eine moderne, den Bürger einbeziehende und damit letztendlich erfolgreiche Planungskultur. Die heutigen Planungsbeiräte in Darmstadt wären ohne die IGAB als Vorläufer nicht denkbar.


 


Copyright@2012 by IGAB   Letzte Änderung am 26 Januar 2012 . Danke für Ihre Anregungen