IG Arheilger Bürger

Plan A33

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Ringbus Arheilgen AP 3.2.10
Ringbus Arheilgen AP 18.4.10
Tauchzentrum Einw.03/10
Tauchzentrum Einw.10/10
Widerspruch gg. Bau AP 13.6.07
S-Bahnhof AP 2.3.06
Plan A33
Flächennutzungsplan 3.7.2000

Vorentwurf zum Bebauungsplan A33
Am Ohlenbachgraben 

Bedenken der IGAB am Entwurf für den Bebauungs­plan A33 für das ehemalige Schenckgelände

Der Vorentwurf zum Bebauungsplan A 33 - Am Ohlenbachgraben- wurde offengelegt

Bis einschließlich Mittwoch, den 20. Oktober 1999 lag ein Bebauungsvorschlag für das ehemalige Fabrikgelände der Firma Schenck mit der offiziellen Bezeichnung „Bebauungsplan A 33 - Am Ohlenbachgraben“ öffentlich aus. Mit dieser Offenle­gung wollte die Stadt frühzeitig, d.h. vor Aufstellung eines Bebauungsplan-Entwur­fes, die Ziele und Zwecke dieser Planung mit der Öffentlichkeit erörtern. Somit war es jedermann möglich, sich zu dem Planungsvorhaben grundsätzlich zu äußern und ggf. während der Aushangfrist beim Stadtplanungsamt Einwendungen und Vor­schläge vorzubringen.

Nach dem Bebauungsvorschlag des von der Firma Schenck beauftragten Bauträgers sollen auf dem stillgelegten Fabrikgelände 175 Reihen- und Doppelhäuser sowie Mehrfamilienhäuser mit 25 Eigentumswohnungen entstehen. Da hier ein wichtiges Stück Arheilger Ortslage und nicht unbedeutende Natur- und Landschaftspotentiale verplant werden sollen, wurde auch von IGAB-Mitgliedern zum Bebauungsvor­schlag Stellung genommen.

Die Fluglärmbelastung ist im Planbereich viel zu hoch

Obwohl die geplante Baufläche aufgrund der Lage für eine Wohnnutzung durchaus geeignet wäre, bestehen gegen diese Planung Bedenken wegen der sich ständig ver­schärfenden Fluglärmbelastung im Darmstädter Norden. Nach dem Entwurf des neuen Regionalplans liegt das Gebiet inmitten des Lärmschutzbereichs, in dem die Ausweisung neuer Wohngebiete nicht mehr zulässig ist. Die Abgrenzung dieses Lärmschutzbereichs erfolgte unter der Annahme einer maximalen Flughafenkapazität in Frankfurt von 430 000 Flugbewegungen pro Jahr. In diesem Fluglärmbereich wird die Fluglärmbelastung jedoch noch erheblich steigen, da

  •    die Flughafenkapazität von derzeit ca. 430 000 auf bis zu 600 000 erhöht werden soll,

  •    die Flüge mit Hilfe der Satellitennavigation auf einem ganz engen Korridor, der genau über das Schenckgelände führt, gebündelt werden sollen,

  •   eine weitere Verlagerung von Flugverkehr in die Nachtstunden angestrebt wird,

  •    die Zahl der Starts über dem Darmstädter Norden überproportional zunehmen wird,

  •    da die geplante neue Bahn nur für Landungen vorgesehen ist.

Daher ist die Ausweisung eines Wohngebietes in diesem Belastungsraum derzeit nicht zu vertreten. Erst wenn der Darmstädter Norden vom Fluglärm erheblich ent­lastet wurde, ist an diesem Standort gesundes Wohnen auf Dauer garantiert.

Es bedarf derzeit keiner weiteren neuen Wohngebiete in Darmstadt

Die in Darmstadt im Bestand bestehenden Reserven (Baulücken, Aufstockungen, Verdichtungen) und begonnenen Neubaugebiete reichen für den Bedarf der nächsten Jahre sicher aus. So sind derzeit einige größere Neubauvorhaben in der Realisierung wie das Schlachthofgelände und das Wohngebiet am Ötterstädter Weg (A 24) oder in der Vorbereitung wie der Wolfhartweg (E 44), Kranichstein West (K 6), Wixhausen Nord (Wx 8), am Ostbahnhof (ehemaliges Molkereigelände) und die Weststadt. Dar­über hinaus bestehen noch größere Flächenreserven im bebauten Bereich, die für Wohnzwecke genutzt werden könnten z.B. die von den Amerikanern aufgegebene Ernst-Ludwig-Kaserne an der Eschollbrücker Straße oder zumindest die Teile des Geländes des Bundesbahnausbesserungswerkes an der Frankfurter Straße, die aufge­geben werden. Aber auch in allen Stadtteilen bestehen noch viele Baulücken, die zur Schaffung von Wohnraum genutzt werden könnten.

Die Eignung des Standortes als Einfamilienhausgebiet wird angezweifelt

Nach dem Bebauungsvorschlag des Bauträgers sind auf dem Schenckgelände 175 Wohnungen in Reihen- und Doppelhäusern und 25 Wohnungen in „Stadtvillen“ ge­plant. Bei einer Größe des Planbereichs von 6,7 Hektar ergibt dies im Durchschnitt 29 Wohneinheiten je Hektar. Dies ist im Hinblick auf die Lage in einer Großstadt, in der Nähe eines S-Bahnhofes, einer Grundschule und eines gut mit privaten und öf­fentlichen Dienstleistungen ausgestatteten Stadtteilzentrums eine viel zu geringe Be­bauungsdichte. Nach dem gültigen Regionalen Raumordnungsplan ist bei der Aus­weisung von Wohnbauflächen im Einzugsbereich von S-Bahn-Haltepunkten eine Dichte von 45 bis 60 Wohneinheiten und im Groß­stadtbereich von mindestens 60 Wohneinheiten je Hektar Bruttowohnbauland einzu­halten.

Auch irrt die Stadt, wenn sie davon ausgeht, daß der Bedarf an städtischem Wohn­raum in Darmstadt vorrangig und fast ausschließlich in Form von Einfamilienreihen­häusern gedeckt werden muß. Insbesondere in einer Stadt mit so vielen Arbeitsplät­zen, einer großstädtischen Sozialstruktur, sehr hohen Grundstückspreisen und hohen Wohnnebenkosten besteht ein großer Bedarf an bezahlbarem modernem Wohnraum in guter Lage, zwar mit Balkon aber nicht unbedingt mit einem Garten. Auf dem Schenckgelände könnte dies - wenn die Fluglärmbelastung nicht mehr gegeben ist - realisiert werden. Ein besonderer Standortvorteil ist hier vor allem der direkte S-Bahn-Anschluß über den bereits heute der Arbeitsmarkt im Ballungsraum am Un­termain und in überschaubarer Zeit auch der Arbeitsmarkt am Unteren Neckar opti­mal erreicht werden kann. Diesem Klientel von Bürgerinnen und Bürgern, die sich regional orientieren, sollten solche Standorte als Wohnort vorbehalten bleiben. Kon­kret sollte auf dem Schenckgelände soweit möglich ein Geschoßwohnungsbau (nicht über drei Geschosse) vorgesehen werden, wie dies im Testentwurf 2 des Stadtpla­nungsamtes vom 23.05.1997 richtig angelegt war.

Es werden wichtige Natur- und Landschaftspotentiale mißachtet

Das Grundstück der Firma Schenck war nur zum Teil bebaut und verfügt mit dem großen Parkplatz und den angrenzenden Frei- und Grünflächen über ausreichende Übergangszonen zu dem östlich gelegenen Wohngebiet und zur freien Landschaft im Norden. Diese Flächen waren nicht nur Abstandsflächen sondern Lebensraum für Flora und Fauna. Außerdem weist das zur wohnbaulichen Umwandlung vorgesehene ehemalige Produktionsgelände der Fa. Schenck an seiner Nord– und Nordwestseite einen Grüngürtel von ca. 8.000 qm Fläche auf. Dieser ist mit Bäumen 1. und 2. Ord­nung von beachtlicher Größe bestanden. (u. a. Traubeneiche, Ahorn, Kirsche, Birke, Robinie und Baumweiden). Größe und Ausreifungsgrad dieser Fläche legen ein Be­stehen der Waldeigenschaft nach dem Hessischen Forstgesetz nahe. Wie aus der Konzeption deutlich wird, ist eine vollständige Beseitigung dieser Bestockung zu befürchten. Durch ihre Lage und Größe ist diese Fläche in erheblichem Maße geeig­net, eine positive Wirkung auf das Kleinklima auszuüben und der Bevölkerung als Erholungsfläche zu dienen. Die IGAB fordert deshalb von der Stadt den Erhalt dieser Bäume aus Gründen des Artenschutzes im ortsnahen Bereich, des Landschaftsbildes, der Stärkung der Erholungsfunktion der anschließenden Freiflächen und des Schut­zes des Kleinklimas. Es ist u.U. nicht auszuschließen, daß auch hier Fra­gen des Forstrechts übergangen werden sollen.

Nach Aufgabe des industriellen Betriebes hat sich außerdem im Betriebsgelände und auf dem Parkplatz die Natur einen Teil zurückerobert und die angrenzenden Zonen konnten sich von den vom Betrieb ausgehenden Belastungen erholen. Hier ist jedoch kein Biotop auf Zeit entstanden, das nun vernichtet werden kann, sondern hier bedarf es einer qualifizierten Bestandsaufnahme und einer Eingriffs-/Ausgleichs­bilanzie­rung und einer Planung von Ausgleichsmaßnahmen, wenn man das Gelände tatsäch­lich baulich nutzen will. Besonders erhaltenswert ist der Graben­bereich, der mit einem ausreichend bemessenem Schutzstreifen gesichert werden muß.

Der geplante Erschließungsaufwand ist überhöht

Der Bebauungsvorschlag folgt den Grundsätzen einer autofreundlichen Er­schließung. Bis an die nördliche Grenze des geplanten Baugebietes werden zwei Straßenzüge geführt, die mit zwei Querspangen verbunden sind. Drei Straßenschlei­fen erschließen die östlichen Baufelder. Garagen vor den Häusern und bei den Häu­sern sichern den Platzbedarf für abzustellende Fahrzeuge direkt neben dem Haus, signalisieren zusätzlich versiegelte Fläche, schränken den schon karg bemessenen Freiflächenanteil in Hausnähe ein. Solche Erschließungsmuster sind flächenvergeu­dend, verursachen hohe Erschließungs- und Folgekosten und tragen mit Lärm, Abga­sen und Gefährdung aus dem Autoverkehr zur flächendeckenden Minderung des Wohnwertes bei.

Der Aufwand an Erschließungsflächen für Straßen und Wege ist so überzogen, daß fast alle Grundstücke auf zwei Seiten an eine Straße oder einen Weg angrenzen. Fast 40 Grundstücke grenzen sogar an drei Seiten an Erschließungsflächen, obwohl eine Erschließung ggf. auch nur über einen Fußweg völlig ausreichend wäre. Solche Pla­nungen sind weit entfernt von beispielhaften Erschließungskonzepten, wie sie z.B. im Kranichsteiner Baugebiet K 6 verwirklicht werden.

Die Grundstücke sind schlecht zugeschnitten

Das Bebauungskonzept mit Reihenhauszeilen folgt dem alten Muster mit dem Gärt­chen vor und einer kleinen Gartenfläche hinter dem Haus. Dies hat die länglich be­kannten Nachteile zur Folge, daß die Freiflächen, in Kleinstflächen zerschnitten, nur wenig Raum für Freizeit und Erholung, oder gar für die Entwicklung von naturbezo­genen Potentialen (Teiche, Gräben, Büsche, Hecken, Blumenwiesen etc.) bieten. Dies gilt vor allem für die „nutzlosen“ Vorgärten und schmalen Gartenstreifen seit­lich der Reihenendhäuser, die nur hohen Pflegeaufwand erfordern.

Es fehlt ein Konzept für das Gesamtareal bis zur B3-Umgehung

Mit der B3-Umgehung wurde dem Teilraum im Nordwesten von Arheilgen eine deutliche und endgültige Grenze gezogen. Das Schenckgelände ist nur ein Teil dieser Gesamtfläche, deren künftige Nutzung neu zu regeln ist. Die Stadt hat daher auch Voruntersuchungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschlossen und im Mai 1997 erste Testentwürfe für das gesamte Gebiet vorgelegt wurden. Das stadt­planerische Ziel, das gesamte Areal soweit möglich künftig für Wohnzwecke zu nut­zen ist diskutierbar, wenn auf die Entwicklungsflächen östlich der B3 verzichtet, die Fluglärmbelastung auf ein erträgliches Maß gemindert, Lärmschutz zur Bahn und zur B3-Umgehung garantiert und die Erhaltung wichtige Landschaftspotentiale im Teil­gebiet gesichert werden. Erst wenn eine Gesamtkonzeption, möglichst als Ergebnis eines städtebaulichen Ideenwettbewerbes, vorliegt, könnte eine Bebauung auf dem Schenckgelände als erster Bauabschnitt erfolgen.

Dem Grundsatz der Nachhaltigkeit wird nicht ausreichend Rechnung getragen

Die Stadterweiterung im Nordwesten von Arheilgen wurde von der Kommunalpoli­tik als wichtiges Projekt im Rahmen der Kommunalen Agenda 21 propagiert. Den Grundsätzen der Nachhaltigkeit verpflichtet, wollte man hier ökonomische, ökolo­gische, soziale und kulturelle Belange ausgewogen in Einklang bringen. Davon ist man mit dem vorgelegten Bebauungsvorschlag weit entfernt.

Ökonomisch mag das Vorhaben dem Grundstückseigentümer - der Firma Schenck - zum Nutzen sein. Stadtwirtschaftlich verbleibt da nichts, so ist auch von einem Ab­schöpfung der Bodenwertsteigerung nicht mehr die Rede.

Aus ökologischer Sicht ist das Defizit der Planung im mit Lärm belasteten Gebiet groß: Mißachtung wichtiger Natur und Landschaftspotentiale, ein unglaublich hoher Anteil versiegelter Fläche, Mißachtung fortschrittlicher Energieversorgung: keine Möglichkeit der Nutzung der Solarenergie bei den in Nord-Süd ausgerichteten Bau­ten (immerhin ein Fünftel), kein Standort für ein größeres oder mehrere kleine Blockheizkraftwerke, hierzu nur eine vage textliche Absichtserklärung.

Die Trennung von Niederschlagswasser und anderer Abwässer ist positiv zu bewer­ten. Völlig ungeklärt ist offensichtlich die Altlastenproblematik. Die Nutzung des Betriebsgeländes als Fabrikgelände läßt vermuten, daß Bodenverunreinigungen an vielen Stellen erfolgt sind. Unklar ist auch, ob Hinweisen nachgegangen wurde, daß Schlämme am Rande des Werksgeländes abgelagert wurden.

Als soziales Anliegen wird die Schaffung von Wohnraum für „junge Familien mit mittleren Einkommen“ hervorgehoben. Dies ist kritisch zu hinterfragen, da bei die­sem Personenkreis zwar der Wunsch nach Wohnraum in Einfamilienhausqualität besteht, aber entweder die Mittel fehlen oder die Bereitschaft nicht da ist, sich ein Leben lang dafür krumm zu legen. Der Erwerb von Eigentum in dieser Bauweise ist oft teuer und es gibt andere Bauformen, die bei hoher Wohnqualität preiswerter sind. Dazu bedarf es - wie bereits dargestellt - eines Ideenwettbewerbs für die Beplanung diese Areals und alternativer Angebote zur Realisierung. Auf die fehlende Beteili­gung und ggf. Einbindung lokaler Kräfte und Potentiale wurde von anderer Seite bereits hingewiesen (APO 9.9.99).