Seit 1984 führte die Abflugroute Amtix kurz in gerader Linie Richtung Südosten über den damals bereits dicht besiedelten Darmstädter Norden. Da bereits in den 90er Jahren moderne Navigationstechniken flexiblere Routen ermöglichten und nördlich von Darmstadt ein breiterer, siedlungsfreier Bereich zur Verfügung stand, forderte bereits 1996 der damalige Darmstädter Bürgermeister Michael Siebert, Mitglied der Fluglärmkommission, die Verlegung der Abflugroute in den um 800 Meter breiteren Freiraum zwischen Wixhausen und Erzhausen, als es die inzwischen entstandenen Neubaugebiete noch nicht gab. Da aber damals nicht alle Flugzeuge über eine GPS-Navigation verfügten, musste weiterhin das Funkfeuer König angeflogen werden, das
erst 2014 abgeschaltet wurde.

Die derzeit laut vorgetragenen Klagen über die neue Flugroute Cindy S kann man nur mit Bedauern und Unverständnis zur Kenntnis nehmen. Mit Bedauern deshalb, weil viele Menschen im Norden von Wixhausen und Süden von Erzhausen zugezogen sind und neu gebaut oder gekauft haben, obwohl die neue Routenführung als Alternative schon im Gespräch war. Völliges Unverständnis besteht bezüglich der Argumentation gegen Cindy S, die in der Forderung gipfelt, es bei der alten Route zu belassen, weil man die Belastung, die die Menschen seit Jahrzehnten schon ertragen haben, für sich selbst als nicht zumutbar ablehnt.

Die Behauptung, dass die Flugroutenverlegung ungerechtfertigt sei, verkennt die Intention der Fluglärmkommission, möglichst wenig Menschen mit Fluglärm zu belasten und die Zahl der Hochbelästigten klein zu halten. Dabei orientiert man sich an den Ergebnissen von Lärmmedizinern, so dass diese Maßnahme im Lärmaktionsplan Hessen (Teilplan Verkehrsflughafen Frankfurt) ihren Niederschlag fand. Auch wenn es in Wixhausen „nur“ zu einer Verschiebung der Belastung Richtung Norden kommt, wäre die Zahl der Höchstbetroffenen auch in Wixhausen geringer als vormals. In Erzhausen ist die Situation, die vormals über Jahrzehnte andere belastet hatte, neu – allerdings ist der Abstand zur Route Cindy S größer als er für den Darmstädter Norden bei Amtix kurz war.

Den Fluglärm verschwinden zu lassen, ist auch angesichts der Attraktivität von Flugreisen nicht vorstellbar. In der dicht besiedelten Region um den Flughafen sind Fluglärm und Fluggeräusche an vielen Orten erlebbar. Ziel ist es jedoch, Lärmwerte für die Menschen möglichst niedrig zu halten. Bisher waren in Erzhausen die Fluggeräusche vernachlässigbar. Auf eine Lärmmessstation konnte man getrost verzichten. Voraussetzung der Verlagerung war allerdings, dass keine Menschen mit höheren Schallimmissionen belastet werden sollen als unter der alten Route. Arheilgen ist nun auch nicht lärmfrei, der Fluglärm ist allerdings geringer als zuvor. Die bislang nur rechnerisch ermittelten Werte unter Cindy S werden im Laufe des Probejahres durch Messungen kontrolliert werden. Bedauerlicherweise ist es bislang noch nicht geschehen.