Zahlreiche Anwohner haben sich mit Einwendungen am Planfeststellungsverfahren zur ICE Reinigungs- und Abstellanlage Kranichstein beteiligt, ihre Bedenken und Vorschläge im Erörterungstermin vom 12.11.2024 vorgetragen – doch seitdem vom Gang des Verfahrens nichts mehr gehört. Es war lediglich zu vernehmen, dass die Bahn bereits im Januar dieses Jahres neue Pläne beim Eisenbahnbundesamt (EBA) eingereicht habe. Diese Behörde muss das Vorhaben genehmigen. Doch nun weigert sich das Eisenbahnbundesamt, den Einwendern Auskunft über das laufende Planänderungsverfahren zu geben. Auch eine erneute Offenlage der neuen Pläne soll nicht erfolgen.

Es liegt auf der Hand, dass sich die betroffenen Anwohner und die Nutzer des Bahnübergangs Jägertorstraße für die Planänderungen interessieren, weil sie wissen wollen, ob ihre Einwendungen und Vorschläge von der planenden Fernverkehrssparte der Bahn aufgenommen worden sind. Es sind vor allem fünf offene Fragen, die auf Antwort harren:
1. Auf den Bahnsteigen der Wartungsanlage soll ein Warnsystem installiert werden, das bei jedem einfahrenden Zug ein 20 Sekunden langes akustisches Signal ausstrahlt. Wurde die Änderung, ein
optisches Signal einzusetzen, in die Planänderung aufgenommen?

2. Laut Vorschrift habe jeder ICE nach Verlassen der Anlage sein Warnsystem zu testen (Makrofontest). Wo sollen diese Tests stattfinden, damit sie Anwohner nicht aus dem Schlaf reißen?

3. Die Lärmuntersuchungen der Bahn wurden auf das Gebiet der geplanten Anlage beschränkt und enden am Rand der örtlichen Bebauung. Hat die Bahn nun ihre Lärmuntersuchungen auch auf den von Anwohnern gesäumten Bereich der Zulaufstrecke erweitert und welche Ergebnisse hat diese Untersuchung gebracht?

4. Die langen ICE-Züge, die in die geplante Anlage ein- und ausfahren sollen, müssen allesamt den Bahnübergang Jägertorstraße durchfahren. Das wird zu erheblichen Ausweitungen der
Schrankenschließzeiten führen, die schon heute unzumutbar sind. Eine IGAB-Messung im Oktober 2024 hatte ergeben, dass bereits unter günstigen Umständen die Schranken den halben Tag geschlossen sind. Welche Pläne hat die Bahn entwickelt, um für den beschrankten Bahnübergang Verbesserungen zu erzielen?

5. Wesentliche Teile der geplanten ICE-Anlage (Sozialgebäude, Parkplätze, Technische Infrastruktur, Versickerungsanlage etc.) sollen auf Wiesen an der Steinstraße vor den Pferdekoppeln und in der Waldbucht errichtet werden. Diese Flächen gehören zwar der Bahn, sind aber den Gleisanlagen vorgelagert und stehen teilweise sogar unter Landschaftsschutz. Deren Bebauung lässt sich vermeiden, wenn die gesamte ICE-Anlage weiter nach Südosten in das vorhandene und stillgelegte Gleisfeld verschoben wird. Wie hat die Bahn diesen Vorschlag verarbeitet?

Die betroffenen Anwohner und Einwender erwarten, dass sie am Verfahren beteiligt werden und Auskunft zu ihren Fragen erhalten. Und sie erwarten auch, dass die Stadt Darmstadt endlich die Planungen aktiver begleitet. Bislang haben nur einzelne städtische Ämter allerlei Dienstleistungen für die planenden Bahn erbracht, aber noch kein Wort über die Belastungen der Anwohner verloren. Deren Belange soll die Stadt Darmstadt schützen! Denn als „Träger öffentlicher Belange“ ist auch die Stadt Darmstadt – im Gegensatz zu den Anwohnern und Betroffenen − am seit Januar laufenden Planänderungsverfahren beteiligt.